04/2017-12/2020 Die Zertifikatslinie #DigitaleBildung

(Dieser Text ist zuerst auf dem Blog des Studiendekanats Lehrer*innenbildung der Universität Göttingen am 23.12.2020 veröffentlicht worden).


Die Entwicklung der Zertifikatslinie #DigitaleBildung im Rahmen von Lehramt PluS geht auf das Engagement von Torben Mau (@TorbenMau) zurück. Im Folgenden wird die Relevanz des Projektes erläutert, wichtige Meilensteine benannt und ein Ausblick zur Fortführung des Projektes gegeben.

Warum ist das Angebot für Lehramtsstudierende relevant?

Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Als Multiplikatoren kommt (angehenden) Lehrkräften eine besondere Verantwortung zu.

Sie müssen so qualifiziert werden, dass sie die Heranwachsenden beim kompetenten Lernen  mit und über digitalen Medien unterstützen können. Daher bietet das Studiendekanat Lehrer*innenbildung (ehemals ZELB) seit dem Sommersemester 2017  die Zertifikatslinie #DigitaleBildung an.

Ausganssituation 2016

Die damalige Bundesbildungsministerin Wanka kündigt 2016 an, im Rahmen des DigitalPakt#D fünf Milliarden bereitzustellen, um die Schulen in Deutschland für die digitale Bildung fit zu machen. 2016 ist das Thema auf der bildungspolitischen Agenda angekommen: Digitale Bildung ist ein Schwerpunkt des Nationalen IT-Gipfels im November und im Dezember 2016 veröffentlicht die Kultusministerkonferenz  die Strategie zur ‚Bildung in der digitalen Welt‘ . In Niedersachsen hat zudem die Landesregierung im Juli 2016 das Konzept „Medienkompetenz in Niedersachsen – Ziellinie 2020″ beschlossen.

Diese Initiativen waren und sind notwendig, denn  Kinder und Jugendliche wachsen zwar in einer Welt auf, die in allen Lebensbereichen von digitalen Medien durchdrungen ist, ohne jedoch in der Schule darauf ausreichend vorbereitet zu werden.

Der entscheidende Faktor für eine gelingende schulische Medienbildung ist allerdings die medienpädagogische Qualifizierung von (angehenden) Lehrkräften, damit diese ihre Schülerinnen und Schüler beim kompetenten Umgang mit Medien unterstützen können.

In seiner Studie arbeitet Mau (2015/16)  heraus, dass es im Lehramtsstudium (gymnasiales Lehramt) der Universität Göttingen zu diesem Zeitpunkt lediglich vereinzelt Angebote im Bereich der Medienbildung gibt. Diese seien jedoch stark abhängig von der Fächerkombination der Studierenden oder sie gehören zum Bereich des freiwilligen Zusatzangebotes, das (mit Ausnahme von Lehramt PluS) nicht explizit auf Lehramtsstudierende ausgerichtet sei. Es fehle sowohl an konkreten Lehrangeboten als auch an einem Gesamtkonzept für die systematische Verankerung von Medienbildung in der Göttinger Lehrer*innenbildung. Eine verbindliche und angemessene Qualifizierung von angehenden Lehrkräften in Medienfragen sei  demnach nicht gewährleistet.

Der Projektantrag

Der 2016 eingereichte Projektantrag Medienbildung in der Göttinger Lehrerbildung benennt ausgehend von dieser Analyse die folgenden Maßnahmen:

  • medienpädagogisches Lehrangebot erweitern, in dem eine zertifizierte Zusatzqualifikation für interessierte Studierende im Rahmen von Lehramt PluS entwickelt wird
  • Vernetzung am Standort voranbringen, indem eine AG Medienbildung (später Digitale Bildung) initiiert wird, die einen phasenübergreifenden Austausch unter den an der Lehrer*innenbildung direkt oder indirekt beteiligten Personen ermöglichen soll

Nachdem der Antrag aus zentralen Studienqualitätsmitteln Ende 2016 genehmigt worden ist, konnte das Projekt zum Sommersemester 2017 beginnen.

Torben Mau

Torben Mau hat an der Universität Göttingen Germanistik und Politikwissenschaft studiert und in seiner Masterarbeit mit dem Titel „Stand und Perspektiven der Medienbildung in der Lehrerbildung“ (2015) eine Studie zum Göttinger Lehramtsstudium durchgeführt, die 2016 beim kopead-Verlag veröffentlicht worden ist. Auf Basis des dort entwickelten Vorschlags zur Verankerung von Medienbildung im Göttinger Lehramtsstudium konnte er ab dem Sommersemester 2017 die Zertifikatslinie #DigitaleBildung im Rahmen von Lehramt PluS aufbauen.
In Seminaren und Praxisprojekte für Lehramtsstudierende behandelte er Themen, wie Bildungsauftrag Medienkompetenz, „Fake News“, digitale Werkzeuge für den Unterricht, Open Educational Resources (OER) usw. Seit 2019 verantwortet er zudem an der Leibniz Universität Hannover die Entwicklung und Durchführung eines (Pilot)Lehrangebots für niedersächsische Lehramtsstudiengänge im Bereich „Basiskompetenzen Digitalisierung“.

Theoretischer Hintergrund der Zertifikatslinie

Die Grundstruktur der Zertifikatslinie beruht auf dem Modell der medienpädagogischen Kompetenz von Lehrkräften (Blömecke, S. (2000); Tulodziecki, G (2012); Grafe, S & Breiter, A. (2014)). In der folgenden Übersicht ist eine Auswahl von Seminaren den einzelnen Kompetenzbereichen zugeordnet.

Modell der medienpädagogischen Kompetenz von Lehrkräften nach Blömecke, S. (2000); Tulodziecki, G (2012); Grafe, S & Breiter, A. (2014). Eigene Darstellung.

Struktur der Zertifikatslinie

Aufbau der Lehramt PluS Zertifikatslinie #DigitaleBildung

Die Zertifikatslinie #DigitaleBildung (16 Credits) setzt sich aus insgesamt vier Lehrveranstaltungen zusammen.  Sie umfasst drei Seminare und ein Praxisprojekt. Mehr Informationen zum Aufbau der Zertifikatslinie sind auf der Homepage www.uni-goettingen.de/lehramt-digitalebildung zu finden.

Zeitleiste

Die verschiedenen Etappen auf dem Weg zur Zertifikatslinie und der stückweite Ausbau des Angebotes werden in dieser Zeitleiste sichtbar

Zahlen, Daten, Fakten (Stand Dezember 2020)

In zehn unterschiedlichen Seminaren und vier Lehrimporten (ZESS – Zentrale Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen, Informatik) haben seit dem Sommersemester 2014 bis zum Wintersemester 2020/21 549 Seminarteilnahmen stattgefunden. In sechs unterschiedlichen Praxisprojekten haben zudem 43 Studierende teilgenommen.

Am meisten Studierende (137 Teilnahmen) haben das Seminar „Interaktive Whiteboards“ belegt, das 10 Semester lang angeboten worden ist (SoSe 2014 bis WiSe18/19) und die Keimzelle der Zertifikatslinie #DigitaleBildung darstellt.

Bisher wurden ca. 15 Zertifikate erfolgreich beantragt und die Koordinationsstelle hat bei vier Masterarbeiten im Bereich Digitale Bildung beraten.

Abschied und Übergabe

Ende Dezember 2020 verlässt Torben Mau die Universität Göttingen und in Zukunft wird Sabina Eggert die Zertifikatslinie betreuen.

Weitere Projektergebnisse

  • Vorträge, Posterpräsentationen, Workshops und Tagungsbeiträge (Auswahl)
    • Mau, T. (2018, Dezember 11). #DigitaleBildung – auf die Lehrenden kommt es an! Vortrag im Rahmen der „Ringvorlesung –Digitalisierung in Schule und Hochschule“  Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Folien, Aufzeichnung).
    • Mau, T. (2018, Oktober 18). Digitale Bildung in der Göttinger LehrerInnenbildung.  Herausforderungen und Perspektiven. Vortrag im Rahmen der Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien – Herausforderungen in allen Phasen der Lehrkräftebildung“, Technische Universität Kaiserslautern.
    • Mau, T. (2018, September 27). Lehrerbildung – Der Schlüssel zur Digitalen Bildung. Posterpräsentation im Rahmen der Fachtagung des Forum Bildung Digitalisierung „Lehrkräfte bilden für die digitale Welt“ , Berlin.
    • Mau, T. (2018, September 08) Digital Education in Teacher Training at the University of Göttingen. Posterpräsentation im Rahmen der „ICEM 2018 – Annual conference of International Council of Educational Media“, Tallinn University (Estland).
    • Mau, T. (2017, Oktober 13). Projekt „Digitale Bildung“ – ein Querschnittsthema zwischen Zusatzqualifikation und Grundbildung für alle Lehramtsstudierende. Vortrag im Rahmen der Sondersitzung „Digitalisierung“ des Niedersächsischen Verbundes zur Lehrerbildung, Leibniz Universität Hannover.
    • Mau, T. (2016, September 21). Medienbildung in der 1. Phase der Lehramtsausbildung. Aktuelle Entwicklungen und praktische Beispiele.  Workshop auf dem 5. Schulmedientag, Georg-August-Universität Göttingen.
    • Gutenberg, U. & Mau, T. (2015, November 10). Lehrkonzept Digitale Schulbank (Abk. Dischba). Beitrag für den Tagungsband „Lehre auf neuen Wegen – Warum gutes E-Learning Lehrende braucht“, Georg-August-Universität Göttingen  (Link
  • Publikationen, die im Kontext des Projektes entstanden sind:
    • Lohner, D. et al. (2020). Kollaborativ lehren und lernen: digital, vernetzt, interuniversitär. Das Lehrexperiment L2D2. Blog des Hochschulforum Digitalisierung. (Link)
    • Torben Mau: Rezension zu Schaumburg, H. & Prasse, D. (2019). Medien und Schule. Theorie – Forschung – Praxis. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. 288 Seiten, ISBN 978-3-8252-4447-7. journal für lehrerInnenbildung, 20 (1), 126-131. https://doi.org/10.35468/jlb-01-2020_rez 
    • Expertengremium des Niedersächsischen Verbundes zur Lehrerbildung (Hrsg.). (2019). Empfehlungen zur Digitalisierung in der niedersächsischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung. (Link )
    • Mau, T. (2016). Stand und Perspektiven der Medienbildung in der Lehrerbildung. Eine empirisch-qualitative Studie am Beispiel der Universität Göttingen. München: kopaed. (Schriftenreihe Medienpädagogische Praxisforschung. Band 10). (Link)
    • Mau, T. (2016). Medienbildung in der Lehrerausbildung: Beispiel Göttingen. Computer + Unterricht: Lernen und Lehren mit digitalen Medien 26 (102), 49.  (Link)
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